Specialty Coffee — Tschechien

In Berlin läuft es meist über die Gegend: Man sucht sich einen Kiez, läuft ihn ab und lässt die Bestenlisten liegen. In Tschechien ist das die einzige Methode, die funktioniert — 247 eingetragene Cafés verteilen sich auf drei Städte, und zwischen diesen Städten liegt mehr als eine S-Bahn-Fahrt.

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Städte mit Specialty Coffee — Tschechien

Prag: der Röster sitzt meistens um die Ecke

Am Tresen unterscheiden sich die Prager Läden wenig — zwei Mühlen, die Waage unter dem Handfilter, eine Karte mit Farm und Aufbereitung. Der Unterschied steht auf der Tüte. Fünf der elf aktiven Röstereien im Land haben eine Prager Adresse, unter ihnen Doubleshot, Mamacoffee, Candycane und The Naughty Dog. Was im Becher landet, kommt also oft aus demselben Straßenbahnnetz, mit dem Sie hergefahren sind. Fragen Sie nach dem Röster: Sitzt der in der Stadt, können Sie denselben Lot ein paar Tage später an der Quelle trinken. Für so einen Besuch nehmen Sie einen Wochentag — geröstet wird im Arbeitsalltag, samstags stehen Sie nur im Verkaufsraum.

Für Prag verzeichnet die Karte 177 Adressen, mehr als zwei ehrliche Wochen hergeben. Also nicht abarbeiten, sondern eingrenzen: eine Tramlinie, eine Flussseite, und die Karte nur entlang dieser Linie öffnen, statt quer durch die Stadt einer Top-Ten hinterherzulaufen. Bestellt wird am besten mit der Frage, was heute im Filter ist. Das Filterangebot wechselt deutlich schneller als der Espresso, und die Antwort sagt Ihnen innerhalb von zehn Sekunden, in was für einem Laden Sie gelandet sind. Englisch versteht man an jedem Tresen der Stadt.

Prag ist außerdem die Stadt zum Bohnenkaufen, nicht nur zum Trinken. In den Regalen stehen die hiesigen Röster plus das, was der Inhaber sonst aus dem Land schätzt, und tiefer wird das Sortiment nirgends. Wer weiter nach Brünn oder Ostrava fährt, erledigt den Einkauf besser vorher.

Brünn in zwei Tagen, zu Fuß

Brünn dreht die Rechnung um. 61 kartierte Cafés in einem Zentrum, das man in zwanzig Minuten durchquert — Entfernung ist damit kein Planungsfaktor mehr, die Grenze ist schlicht, wie viel Kaffee zwischen Frühstück und Ladenschluss in einen Menschen passt. Zwei Tage reichen für ein echtes Bild der Stadt, und die sinnvolle Form dafür ist eine Schleife, keine Route: laufen, stehen bleiben, wenn ein Raum stimmt, und auf die Karte nur schauen, um zu sehen, ob in der Nebenstraße etwas steht, an dem man sonst vorbeiläuft.

Von den elf Röstereien hat genau eine eine Brünner Adresse: Industra. Das meiste, was hier ausgeschenkt wird, ist also angereist — aus Prag oder aus kleineren Städten —, und die Regale verschieben sich von Monat zu Monat stärker als in der Hauptstadt. Damit wird die Frage nach der Herkunft hier interessanter als sonst irgendwo in Tschechien: Sie bekommen an fast jedem Tresen eine andere Antwort, und die guten Läden erklären Ihnen auch, warum sie sich in dieser Saison für genau diesen Röster entschieden haben.

Praktisch: Die Vormittage sind ruhiger als in Prag, das Publikum ist einheimisch und studentisch, die Leute hinter dem Tresen haben Zeit zum Reden, und Werktagnachmittage sind wirklich entspannt. Reservieren Sie nichts. Bei dieser Dichte geht ein improvisierter Tag selten schief, und die zwei, drei Läden, in die Sie am Ende zurückkehren, finden Sie um eine Ecke herum, nicht in einer Liste.

Ostrava: neun Adressen — und die Röster in Städten ohne Café

Ostrava ist die einzige der drei Städte, die sich vor der Anreise vollständig lesen lässt. Neun Cafés sind eine Auswahl, keine Tour: abends alle durchgehen, zwei aussuchen, die zu dem passen, was Sie wollen, und den Rest der Aufmerksamkeit der Stadt widmen. Einer dieser Stopps ist zugleich Quelle — Father's röstet in Ostrava —, ein einziger Vormittag deckt also Café und Lieferant ab, wofür in Prag ein geplanter Umweg nötig wäre.

Diese kurze Liste markiert auch den Rand des Kartierten. Außerhalb von Prag, Brünn und Ostrava sind in Tschechien bislang keine Cafés veröffentlicht, während vier der elf Röstereien genau in diesem weißen Feld liegen: Nordbeans in Liberec, Chroast in Hradec Králové, Kmen in České Budějovice und Pikola in Šumperk. Sieben der elf sitzen damit in den drei kartierten Städten; die übrigen vier begegnen Ihnen zuerst als Tüte im Regal und erst viel später als Ortsname.

Wenn Ihnen also in Ostrava oder Brünn eine Bohne aus Šumperk oder Liberec gefällt, gehen Sie über die Seite der Rösterei weiter, statt auf einen Café-Eintrag in der Nähe zu warten: Die meisten verkaufen direkt, mehrere brühen Ihnen während der Arbeitszeit etwas auf. Und wenn Sie in einer tschechischen Stadt gut trinken, die hier noch fehlt, ist genau das die Adresse, die wir brauchen — die Röster sind längst da, die Cafés fehlen der Karte noch.